The Subway

[Juni 2008]


















 Zion N.P.
 Kolob Canyons

Lange hatten wir ├╝berlegt, ob wir uns diese anstrengende Wanderung wirklich einmal antun sollten, doch die faszinierenden Fotos, die wir von der Subway gesehen hatten, lie├čen uns fast keine andere Wahl - das mussten wir auch einmal mit eigenen Augen sehen! Dazu ist es notwendig, sich ein Permit zu beschaffen, da der Zugang zur Subway auf t├Ąglich 80 Personen begrenzt ist. Wir suchten also unsere drei Wunschtermine heraus und nahmen an der Permitlotterie teil, die immer drei Monate im Voraus auf der Zion NP-Homepage stattfindet. Angesichts der immens hohen Teilnehmerzahlen war ich skeptisch, ob es klappen w├╝rde, doch wir hatten Gl├╝ck und bekamen die Permits f├╝r unseren erstgenannten Termin. F├╝r uns w├╝rde nur die Wanderung vom Left Fork Trailhead in Frage kommen, d.h. eine Wanderung vom unteren Ende her, denn der obere Weg vom Wildcat Canyon Trailhead ist nur mit Klettern und Abseilen machbar. Von unten ist es aber leider nicht so einfach, die Upper Subway zu erreichen, in der Fatali sein ber├╝hmtes "North Pole"-Foto aufgenommen hatte. Allerdings hatte ich hier gelesen, dass man durchaus auch von unten in die Upper Subway gelangen kann, man ben├Âtigt dazu nur ein Kletterseil von etwa 20m L├Ąnge und jemand, der das Seil oben festmacht, damit man daran hinauf klettern kann. Das sollte kein Problem sein, denn viele der 80 Personen, die t├Ąglich in die Subway d├╝rfen, kommen vom oberen Trailhead, die Chancen stehen also gut, dass man dort jemand trifft. Also kauften wir kurzerhand ein Seil - wenn ich schon mal diese Wanderung auf mich nehme, dann will ich auch so viel wie m├Âglich sehen!

Unterwegs zur Subway

Am Vortag der Wanderung holten wir die Permits im Visitor Center ab, dann wurden die Rucks├Ącke gepackt und alles soweit vorbereitet, dass es am n├Ąchsten Morgen gleich losgehen konnte. Der Wecker wurde auf 4 Uhr morgens gestellt, damit wir noch vor Sonnenaufgang am Trailhead sein und m├Âglichst fr├╝h am Vormittag die Subway erreichen konnten, um noch gute Bedingungen zum Fotografieren zu haben. Leider klappte das nicht so ganz, wie wir uns das vorgestellt hatten, denn als der Wecker klingelte, erschien es mir drau├čen doch schon ungew├Âhnlich hell. Schlagartig wurde mir klar, dass es bereits 5 Uhr war - der Wecker war nicht auf Utah-Zeit eingestellt! Unter ausgiebigem Fluchen krochen wir aus dem Zelt und machten uns schnellstm├Âglich bereit zum Aufbruch. Mit leicht ├╝berh├Âhter Geschwindigkeit begaben wir uns zum Trailhead, was immerhin auch nochmal eine halbe Stunde in Anspruch nahm, und als wir dort ankamen, lugte die Sonne bereits ├╝ber die Bergspitzen. Wir zogen die Wanderschuhe an, schnappten unsere Rucks├Ącke, und dann ging es los. Der n├Ąchste Fauxpas lie├č nicht lange auf sich warten - wir folgten aufgestellten Steinm├Ąnnchen, die leider nicht den Trail, sondern einen Seitenweg markierten, und kamen vom Weg ab. Nachdem wir 20 Minuten lang einem sandigen und von gro├čen Felsbrocken ├╝bers├Ąten Wash gefolgt waren, kamen wir an einen tiefen Abgrund. Wieder ├╝ber eine halbe Stunde verloren! Also wieder den ganzen beschwerlichen Weg zur├╝ck, bis wir den richtigen Trail fanden, und so war es bereits 7 Uhr, als wir dann an den ber├╝hmt-ber├╝chtigten Abstieg hinab in den Canyon kamen. Hier f├╝hrt der Pfad zwischen Ger├Âll und gro├čen Felsbrocken besonders steil ├╝ber einen Felssturz hinab. Man darf gar nicht daran denken, dass man das sp├Ąter am Ende des Tages wieder hinauf klettern muss!
Schlie├člich kamen wir unten an und machten uns auf den Weg entlang des Flusses. Der dritte Fehler war dann der, dass wir trockenen Fu├čes bis zur Subway gelangen wollten. Die Pfade rechts und links des Flusses waren zwar recht gut ausgetreten und gut zu verfolgen, doch waren wir insgesamt 21 Mal gezwungen, den Fluss zu ├╝berqueren, da uns der Weg versperrt war oder wir sonst steil am Hang h├Ątten hinauf klettern m├╝ssen, um riesige Felsbl├Âcke oder B├Ąume zu umgehen. Dies war trotzdem oft genug notwendig, und so kamen wir nur langsam voran. Ganz ungef├Ąhrlich war das zudem auch nicht, denn auf dem rutschigen Sand und Ger├Âll h├Ątte man leicht ausrutschen und hinunter st├╝rzen k├Ânnen. So k├Ąmpften wir uns also vorw├Ąrts, ├╝ber Stock und Stein und durchs Geb├╝sch, bis wir endlich die ersten Kaskaden erreichten, die vom nahen Ziel k├╝ndeten. Leider war es inzwischen schon so sp├Ąt, dass die Sonne bereits tief in den Canyon hinein schien und gute Fotos meist unm├Âglich machte. Das mussten wir uns also alles f├╝r den R├╝ckweg aufheben, wenn die Sonne hoffentlich wieder verschwunden war. Nach ein paar Fotoversuchen ging es weiter, und der restliche Weg zog sich immer l├Ąnger, es folgten noch einige Klettereinlagen, bis wir dann endlich die von vielen Fotos bekannten grossen Kaskaden kurz vor der Subway erreichten. Hier begegneten wir dann drei freundlichen Rangern, die unsere Permits ├╝berpr├╝ften.
Auch hier waren um diese Zeit keine brauchbaren Fotos m├Âglich, lediglich beim ber├╝hmten "Crack", einem schmalen Riss im Felsboden, durch den mit hoher Geschwindigkeit das Wasser schiesst, machten wir einen l├Ąngeren Fotostop, da hier gute Bedingungen herrschten und er komplett im Schatten lag. War der bisherige Weg noch recht unspektakul├Ąr gewesen, so war es hier umso sch├Âner. Die kleinen Wasserf├Ąlle ├╝ber das tiefrote Gestein, umgeben von den kr├Ąftig gr├╝nen Str├Ąuchern und B├Ąumen inmitten dieses Canyons mit seinen turmhoch aufragenden W├Ąnden sind absolut traumhaft und lassen alle Strapazen vergessen, die man auf sich genommen hat, um hierher zu gelangen. Und dabei hat man noch nicht einmal die eigentliche Subway erreicht! Doch nach der n├Ąchsten Biegung war es dann soweit, knapp 4 Stunden nach dem Abstieg ├╝ber das Ger├Âllfeld erreichten wir endlich die Subway. Nachdem wir unterwegs bisher nur zwei Leuten begegnet waren, trafen wir hier nun auf ein paar mehr, allerdings weit weniger, als ich erwartet hatte, bei 80 Leuten pro Tag, doch die Mehrzahl startet offensichtlich am Wildcat Trailhead und w├╝rde erst sp├Ąter am Tag hier eintreffen. Nachdem ich mir mein zweites Paar Schuhe angezogen hatte, um in der Subway im Wasser herumwaten zu k├Ânnen, gesellte ich mich zu einem anderen Fotografen, der bereits mit seinem Stativ in der Subway unterwegs war, und machte einige Fotos. Doch leider fiel die Sonne inzwischen fast senkrecht in den Canyon und beleuchtete die Canyonwand an einigen Stellen, so dass an brauchbare Aufnahmen erstmal nicht zu denken war. Also lie├čen wir uns erstmal im Schatten unter ein paar B├╝schen nieder, ruhten uns aus und a├čen die mitgebrachten Br├Âtchen.

Aufstieg zur Upper Subway

Am fr├╝hen Nachmittag machte ich mich dann daran, die Subway bis zu ihrem hinteren Ende zu erkunden und die M├Âglichkeiten eines Aufstiegs in die Upper Subway zu er├Ârtern. Auf der rechten Seite gibt es eine relativ steile Fels-Schr├Ąge, an deren oberem Ende eine ├ľse angebracht wurde, um ein Seil befestigen zu k├Ânnen. Hier w├╝rde ich es probieren, falls ich jemandem mein Seil zum Befestigen hochwerfen k├Ânnte. Ganz am Ende kurz vor dem Wasserfall fand ich au├čerdem einen Baumstamm, der an der Canyonwand lehnte und an dem ein Seil befestigt war, doch ich schaffte es nicht, hier hochzuklettern. Inzwischen kamen die ersten Wanderer im oberen Teil der Subway an, eine Jugendgruppe von etwa 15 Jungs. Die meisten kletterten am Baumstamm herab oder sprangen einfach von einem bestimmt 3 Meter hohen Absatz in einen der gerade mal h├╝fttiefen Pools herunter. Ich nutzte die Gelegenheit und bat einen der Jungs, mein Seil aufzufangen und es oben durch die ├ľse zu ziehen, was er auch gerne tat, und schon hatte ich die n├Ąchste H├╝rde geschafft. Jetzt musste ich nur noch irgendwie nach oben kommen! Das war aber gar nicht so einfach, denn sobald ich versuchte, am Seil hinaufzuklettern, spannte es sich straff ├╝ber den Fels und ich konnte mich nicht mehr richtig festhalten, und au├čerdem geht es am unteren Teil der Felswand erst einmal 2m senkrecht hinauf. Auch mit Hilfe einiger Knoten eine Art Strickleiter aus dem Seil zu machen, half nicht viel, und so gab ich nach mehreren Versuchen vorerst auf. Vielleicht konnte ich mir ja bei der n├Ąchsten Gruppe Canyoneers etwas abkucken. Die lie├č nicht lange auf sich warten, und als sie das Seil dort h├Ąngen sahen, lie├čen sich die meisten nicht lange bitten und nutzen mein Seil zum Abstieg. Und im Gegenzug bekam ich dann Hilfestellung beim Hochklettern - allerdings nicht am Seil, sondern am Baumstamm! Einer der M├Ąnner zeigte mir, wie ich es anstellen musste, um am Baumstamm hinaufzukommen: mit dem Armen um den Stamm fassen, die F├╝├če an der Felswand abst├╝tzen, und dann einfach "hochlaufen". Das funktionierte in der Tat, das letzte St├╝ck zog er mich dann hinauf, und ich hatte es endlich geschafft! Zumindest das erste St├╝ck, denn dann muss man noch ├╝ber einen ziemlich schmalen Absatz weiter hinauf, was mich einige ├ťberwindung kostete. Doch dann war ich oben und konnte zu meinem Seil zur├╝cklaufen. Dann band mein Vater meinen Fotorucksack und das Stativ an das Seil, und ich zog alles herauf.
Inzwischen war es etwa 3 Uhr, und wir vereinbarten, dass ich nach einer Stunde wieder da w├Ąre, um die Sachen wieder am Seil herabzulassen und dann auch selbst wieder herabzuklettern. Dann konnte es losgehen, und ich machte mich daran, die Upper Subway zu erkunden. Der Abschnitt ist zwar nicht sehr lang, aber sehr interessant, ganz anders als der untere Teil. Nach einer ersten Biegung kommt man zu einem etwa 2 Meter hohen Absatz mit zwei Wasserf├Ąllen, den es zu erklimmen gilt. Nachdem ich den Rucksack zuerst hinaufgehievt hatte, versuchte ich es mit ein wenig Anlauf die steile Schr├Ąge hinauf, und es klappte. Oberhalb der Wasserf├Ąlle fand ich dann den ber├╝hmten "North Pole" - doch leider herrschten alles andere als gute Foto-Bedingungen, denn dies war die einzige Stelle im oberen Teil der Subway, an dem die Sonne bis auf den Canyonboden herunterschien. Hier h├Ątte ich noch Stunden ausharren m├╝ssen, damit das direkte Sonnenlicht verschwinden w├╝rde, aber dazu hatte ich leider keine Zeit. Also versuchte ich das beste daraus zu machen und machte trotzdem einige Aufnahmen, die aber wegen der direkten Sonne von der Stimmung her nicht ann├Ąhernd so gelangen wie die ber├╝hmte Vorlage. Schade, aber Hauptsache, ich bin einmal hier gewesen :-) Ich setzte meinen hochinteressanten Rundgang fort und kam zu einem kleinen Slot, an dessen Ende sich die Keyhole Falls befinden, die das Ende der Upper Subway darstellen. Da das Wasser hier sehr tief war und einige Baumst├Ąmme verkeilt waren, drehte ich hier wieder um und traf nach ausgiebigem Fotografieren nach etwa einer Stunde wieder oben bei meinem Seil ein. Auch mein Vater kam wenig sp├Ąter und half mir, den Rucksack wieder herunterzulassen. Anschliessend musste ich dann nat├╝rlich auch wieder irgendwie runter, und nach einigem Hin und Her ├╝berwand ich mich und rutschte, mich am Seil festklammernd, auf dem Hosenboden hinab. Noch ein wenig Hilfestellung von meinem Vater, dann hatte ich wieder festen Boden unter den F├╝├čen.
Inzwischen war es 4 Uhr, wir waren schon 5 Stunden hier, doch die Zeit war wie im Flug vergangen. Langsam mussten wir an den R├╝ckweg denken, doch jetzt endlich herrschten auch gute Foto-Bedingungen in der Subway, denn die Sonne stand inzwischen wieder so tief, dass sie nicht mehr in den Canyon hinein schien. Das musste ich jetzt nat├╝rlich noch ausnutzen und veranstaltete noch eine l├Ąngere Fotosession. Das war zwar nicht ganz so einfach, da es ziemlich windig war, was dazu f├╝hrte, dass einerseits das Stativ wackelte und andererseits immer wieder Gischt hochgeweht wurde, doch dann hatte ich meine Fotos im Kasten. Jetzt wurde es Zeit aufzubrechen, denn wir hatten noch 4 Stunden R├╝ckweg vor uns, und schliesslich wollten auch noch einige Kaskaden von mir fotografiert werden!

Der R├╝ckweg

Ich beschloss, die nassen Schuhe anzubehalten und auf dem R├╝ckweg einfach im Wasser zu laufen, was eine gute Entscheidung war, denn man kommt so viel schneller vorw├Ąrts und die strapazierten F├╝├če werden dadurch auch etwas gek├╝hlt, was bei dieser langen und beschwerlichen Strecke wirklich half. Jetzt auf dem R├╝ckweg lagen auch die Kaskaden und die umliegenden Felsw├Ąnde im Schatten, und so konnte ich hier noch einige tolle Fotos machen. Unterwegs holten uns dann noch zwei Franzosen ein, und ein Amerikaner zeigte uns noch ein paar Dino Tracks, die uns auf dem Hinweg entgangen waren - ich hatte mich schon gewundert, wozu das Schild mit dem Pfeil gut sein sollte, an dem wir vorbei gekommen waren :-) Alles in allem klappte der R├╝ckweg viel besser als der Hinweg, wir mussten nicht mehr so oft die Seite wechseln und folgten so gut es ging dem Weg auf der rechten Seite des Flusses. Schlie├člich erreichten wir den Punkt, an dem der Weg wieder durch das Ger├Âllfeld aus dem Canyon hinausf├╝hrt. Wir mobilisierten nochmal die letzten Kr├Ąfte und nach endlosem Aufstieg und dem langen Weg durch den Wald bis zum Trailhead waren wir dann endlich gegen 8:15 wieder am Auto. 14 Stunden waren wir unterwegs gewesen! Den ganzen R├╝ckweg lang hatten wir schon von der Pasta im Pizza & Noodle Restaurant getr├╝umt, doch jetzt war es schon ziemlich sp├Ąt, und gestern wurde dort schon um 8:30 geschlossen. Aber wir wollten es zumindest versuchen, und so d├╝sten wir wieder in Rekordzeit zur├╝ck nach Springdale, wo das Restaurant zu unserer gro├čen Freude heute l├Ąnger ge├Âffnet war. Zum Duschen blieb nat├╝rlich keine Zeit mehr, und so sa├čen wir dann ersch├Âpft und verschwitzt, aber gl├╝cklich, im Restaurant und lie├čen uns eine Riesenportion Pasta schmecken. Was f├╝r ein Tag :-)
Fazit: die Subway muss man unbedingt gesehen haben! Man muss sich allerdings im klaren sein, auf was f├╝r eine strapazi├Âse Wanderung man sich da einl├Ąsst. Man sollte jedenfalls nicht versuchen, trockenen Fu├čes anzukommen, sondern m├Âglichst auf der (beim Hinweg) linken Flussseite und ggf. auch im Wasser laufen. Allerdings war einer meiner Freunde etwa zwei Monate nach uns dort, wenige Tage, nachdem eine Flash Flood durch den Left Fork Canyon gefegt war und diesen ziemlich verw├╝stet hatte. Der Baumstamm am Ende der Subway war inzwischen auch nicht mehr da, so dass er nicht in die Upper Subway hinaufklettern konnte. Man sieht also, die Verh├Ąltnisse k├Ânnen sich hier von einem Tag auf den anderen ├Ąndern, man sollte sich vorher immer aktuelle Infos im Visitor Center holen!